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Initiative Krefelder Fairkehr

Vier Personen halten vor einem Fotografen eine Broschüre in der Hand.
Initiative Krefelder Fairkehr
In den 1990er Jahren nahm Krefeld trotz erheblicher Anstrengungen einen unrühmlichen, hinteren Platz in der Landesstatistik NRW für Unfälle mit Kinderbeteiligung ein. Daraufhin gründeten Stadt Krefeld, Polizei Krefeld und Verkehrswacht die Initiative.

Am Mittwoch, den 4. März 2020 haben Vertreter der Initiative „Krefelder Fairkehr“, bestehend aus Stadt, Polizei und Verkehrswacht, die Bilanz der Kinderunfälle für das Jahr 2019 vorgestellt.

Die Initiative Krefelder Fairkehr hat die Bilanz der Kinderunfälle 2019 präsentiert. So wurden in Krefeld im letzten Jahr 100 Kinder (bis 14 Jahre) bei Unfällen im Straßenverkehr verletzt, was einem Anstieg von 37 Prozent entspricht und damit der höchste Stand seit 2009 ist.

84 Kinder wurden leicht und 16 schwer verletzt. 32 der Kinder wurden im vergangenen Jahr „passiv verletzt“, das heißt, sie waren als Mitfahrer unterwegs. 68 Kinder nahmen kurz vor ihrem Unfall aktiv am Straßenverkehr teil, darunter 34 Kinder, die zu Fuß unterwegs waren und 34 Rad fahrende Kinder.

Hans Hamestuk, Leiter des Arbeitskreises Verkehrssicherheit für Kinder und Michael Hülsmann, Geschäftsführer der Initiative Krefelder Fairkehr sind bestürzt über den Anstieg der Unfallzahlen mit Kinderbeteiligung von 73 Unfällen 2018 auf 100 Unfälle im Jahr 2019. Hans Hamestuk und Michael Hülsmann bleiben selbstkritisch in der Analyse und Bewertung: „Wir gehen deshalb bei der Unfallforschung neue Wege, um insbesondere die Freizeitunfälle mit Kinderbeteiligung zu reduzieren. Um die Verkehrsunfälle sowie Wege der Kinder besser zu analysieren, soll ein gemeinsames Forschungsprojekt mit der Bergischen Universität Wuppertal ins Leben gerufen werden, das u.a. die Freizeitmobilität von Kindern in der Stadt untersucht. Durch Befragungen an Schulen möchten wir herausfinden, wie Kinder in der Freizeit zu ihren Zielen gelangen: Werden die Wege noch eigenständig – zu Fuß oder mit dem Rad – zurückgelegt? Werden Kinder heutzutage überwiegend gebracht und wieder abgeholt? Welche Aktivitäten haben Kinder in ihrer Freizeit? Werden der öffentliche Straßenraum, Wege oder Plätze noch zum Spielen genutzt? Sind Kinder noch körperlich aktiv und mobil oder grenzen PC und Smartphone die zurückgelegten Wege deutlich ein?“

Dr. Joachim Wichmann, Vorsitzender der Krefelder Verkehrswacht ist ebenfalls alarmiert: "Ich bin besorgt über die Zunahme an Unfällen. Vor allem, dass Kinder auch als Fußgänger häufiger verunglücken. Sorge bereitet mir aber auch die Entwicklung, dass Kinder in der vierten Klasse entweder nicht an Fahrrad-Prüfungen teilnehmen oder sie dann nicht bestehen.“ Er sieht aber auch die Eltern in der Pflicht, ihren Kindern besonders in der dunklen Jahreszeit helle Kleidung anzuziehen oder die kleinen Verkehrsteilnehmer mit Reflektoren auszustatten, sodass sie schon von Weitem zu sehen sind.

Stadt, Polizei und Verkehrswacht sind sich einig: „Wir dürfen bei jedem Unfall nicht vergessen, dass Kinder keine kleinen Erwachsenen sind. Sie denken und handeln anders als Erwachsene. Allein deswegen sollte der Fuß automatisch zur Bremse gehen, wenn man ein Kind am Straßenrand entdeckt.“ Doch nicht immer ist dies möglich. „Kinder sind meistens kleiner als die am Straßenrand parkenden Wagen und können oft nicht über diese hinwegsehen. Gleichzeitig werden sie von anderen Verkehrsteilnehmern nur schlecht wahrgenommen, sodass das Hervortreten hinter Sichthindernissen eine der Hauptursachen für Verkehrsunfälle mit Kindern ist, da müssen wir ansetzen“, schildert Verena Fischer, Leiterin der Direktion Verkehr der Polizei, worauf es auch in den kommenden Jahren in der Arbeit von Fairkehr ankommen wird. Denn auch 2020 geht die Arbeit weiter.

Kinderstadtpläne und Schulwegradpläne werden aktualisiert, die Aktionen Black Box und Toter Winkel laufen weiter und das Verkehrssicherheitstraining an Schulen wird fortgesetzt. Die von den Verkehrssicherheitsberatern der Polizei umgesetzte Verkehrspuppenbühne kommt bei den Grundschülern gut an. Wichtige Präventionsthemen können so spielerisch erlernt und eingeübt werden.

Sehr gut angenommen werden auch die Elternhaltestellen an der Edith-Stein-Grundschule in Uerdingen, der Südschule in Fischeln und der Schönwasserschule in Oppum. Eltern können hier sicher ihre Kinder absetzen und müssen sie nicht mehr direkt bis an das Schultor fahren. Weitere Standorte befinden sich in der Prüfung. Polizei und Verkehrswacht plädieren schon seit längerer Zeit für einen Schulweg zu Fuß. So trainieren die Kinder und lernen die Verkehrswelt kennen. Zudem verringert sich der gefährliche Verkehr vor der Schule durch die sogenannten Eltern-Taxis.

Die neuen „Freddy Fairclub“-Broschüren (die Ansicht finden Sie weiter rechts) bringen Kindern als auch Eltern Verkehrstipps und Verhaltenshinweise näher. Das moderne und anschauliche Format schafft interaktive Möglichkeiten, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Sie werden vom Bezirksdienst und den Verkehrssicherheitsberatern an die kleinen und großen Verkehrsteilnehmer verteilt.
Mit dem neuen Mobil-Pass können Stempel von Kindergarten, Verkehrspuppenbühne und Schule gesammelt werden. Und damit der Pass möglichst lange auch thematisch in Erinnerung bleibt, wird im Anschluss ein kindgerechtes Gewinnspiel angehängt. Weitere Informationen finden Sie auf der Krefelder Fairkehr Website.

Mit der umfangreichen Plakataktion „20 Jahre Krefelder Fairkehr -Danke-“, die im Herbst an allen Bus- und Straßenbahnhaltestellen zu sehen war, hat die Ordnungspartnerschaft Krefelder Fairkehr eine große Aufmerksamkeit erzielt und sich für das 20-jährige erfolgreiche Bestehen bedankt.
Einen wichtigen Beitrag zur Bekämpfung von Verkehrsunfällen mit Kindern leisteten auch knapp 400 bauliche Maßnahmen im Straßennetz. Die Politik in Krefeld trug ebenso mit erheblichen finanziellen Mitteln dazu bei. Insgesamt stellten Stadt Krefeld und Land in den vergangenen 20 Jahren mehr als drei Millionen Euro für die Arbeit der Initiative bereit.

Krefelder Fairkehr ist kein Projekt, sondern selbstverständlicher Bestandteil der Alltagsorganisation zahlreicher Behörden, Ämter und Institutionen geworden. Die Initiative beeinflusst seit Jahren viele behördliche, politische und pädagogische Entscheidungen.

Diese und viele weitere Maßnahmen zur Bekämpfung von Kinderunfällen finden Sie in der Bilanz im rechten Navigationsbereich der Seite.